Mit dem Kajak durch Grönland – ein Reisebericht

Grönland ist ein Land wie kein anderes: Abgelegen, wild, unversöhnlich. Es ist eines der schönsten Länder, die wir besucht haben und hier liegt etwas in der Luft, das sich irgendwie anders anfühlt. Hier unser Reisebericht:

Bei Scout Reisen in Berlin buchten wir eine 15-tägige Kajakreise durch den Süden von Grönland. Obwohl wir eigentlich keine Fans von organisierten Touren sind, ist die Logistik in Grönland sehr schwer zu organisieren bzw. auch sehr teuer. Die Aktivreise, die wir bei Scout gebucht haben, hat viele der zusätzlichen Kosten eingeschlossen und war so für uns der beste Weg nach Grönland zu reisen.

Wir flogen von Keflavik in Island und ja, schon vom Flugzeug aus ist die grönländische Landschaft erstaunlich. Wir wurden von unserem Scout am Flughafen abgeholt und nach Narsaq mit dem RIB-Boot gefahren. Die Fahrt dauerte ca. eine Stunde. Unser grönländischer Skipper war ziemlich lustig (ein schöner erster Eindruck der heimischen Mentalität) und wir hatten tolles Wetter, was nicht immer so sein muss. In Narsaq kamen wir ziemlich spät an, da sich unser Flug verzögert hatte. Unsere einheimischen Reiseführer gaben uns noch eine Einführung in die bevorstehende Reise und wir machten Bekanntschaft mit dem gesamten Team. Wir hatten Glück, denn die Gruppe umfasste nur 5 Kunden plus 2 Scouts, anstatt der möglichen 12 Personen. So eine kleine Reisegruppe zu bekommen war fantastisch, denn für uns war es intensiver und machte auch die Logistik einfacher, wie wir später noch herausfanden.

Am nächsten Morgen wurden wir informiert, was und wie zu packen ist und ich bin eigentlich ganz stolz, dass ich mit so wenig Klamotten überlebt habe J Da wir kein Begleitboot hatten, haben wir unsere Zelte, das Essen und unsere Abfälle immer auf den Kajaks transportiert. Von Anfang an wurde uns gesagt, dass auf dieser Grönland Reise Teamwork sehr wichtig sei und ich kann ehrlich sagen, ich habe noch nie eine Gruppe Fremder getroffen, die sich gegenseitig so unterstützten und eine enge Freundschaft bildeten, wie es unsere Gruppe getan hat – es war wirklich etwas Besonderes!!!

Das erste Paddeln war ziemlich entspannt – die Bedingungen um Narsaq waren perfekt! Das Wasser war ruhig und es gab viele Eisberge in der Bucht, so dass jeder begeistert Fotos machte. Als wir dann das offene Wasser erreichten, bekamen wir mehr Gegenwind, was ein kleiner Vorgeschmack auf das war, was noch kommen sollte. Das erste Zeltlager schlugen wir in der Nähe einer frühen Siedlung (von Erik dem Roten) mit Blick in Richtung Narsaq auf. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele große Eisberge in der Bucht gibt. Einige waren mindestens 50m hoch und über 100m lang! Dann begann die eigentliche Tour: 20km paddelten wir in einem großen Fjord mit Gegenwind und gegen die Strömung. Es dauerte eine Weile, bis unsere Gruppe ihr natürliches Tempo fand. Wir paddelten ca. 4 km pro Stunde, was ideal war, um unterwegs die Landschaft zu genießen und um Fotos zu schießen. Manchmal paddelten wir in windgeschützten Bereichen, was natürlich angenehmer war als mit Gegenwind, und manchmal mussten wir die Kajaks auch tragen. Ich glaube, hier haben wir wirklich begonnen, unsere kleine Gruppe mit nur fünf Kajaks zu schätzen. Jedes beladene Kajak musste mit 4 Personen, die Doppel-Kajaks mit 6 Personen, getragen werden. Am Nachmittag hatten wir dann eine weitere Fjordkreuzung von 4-5 km, mit unglaublich phantastischen Ausblicken! An den meisten Tagen haben wir mindestens 10 km, manchmal auch 20 km, zurückgelegt. Es klingt vielleicht weit aber über den Tag gesehen und inklusive der Mittag- und Snack-Pausen war es ziemlich einfach.

Wie man erwarten würde, hatten wir gemischte Bedingungen. Anfangs kämpften wir noch gegen den konstanten Gegenwind, der jedoch nachließ wenn wir die kleineren Nebenfjorde und Inseln erkundeten. Hier kamen die einzigen Wellen von unseren Kajaks, oder einem Eisberg. Ein paar Regentage hatten wir auch, aber das dämpfte unsere Stimmung nicht. Der letzte Morgen war dann sehr neblig und es gab überall Eisberge. Die Gezeitenströme (vier pro Tag, bis zu einem Meter) waren nicht nur ein weiterer Faktor beim Paddeln, sondern auch eine logistische Herausforderung auf Campingplätzen und bei den Mittagspausen. Insgesamt glaube ich aber, wir hatten ziemlich Glück mit dem Wetter. „The Weather is Boss in Greenland“, heißt es ja in Grönland und daher führte diese Kajaktour nie einer streng vorgegebenen Reiseroute. Wenn die Bedingungen schlecht sind, kann die Gruppe wandern oder einen Ruhetag machen. Wir hatten zwei Tage, an denen wir hauptsächlich wanderten. Und Grönland ist ein Paradies für Wanderer! Unsere Wanderungen wurden immer mit einem 360-Grad-Panoramablick auf das Inlandeis mit seinen vielen Gletscherzungen und den umliegenden Fjorden belohnt. In Grönland gibt es auch viele kleine Süßwasserseen vom Schmelzwasser im Sommer, in denen wir ein Bad nahmen. (Es braucht natürlich etwas Mut und Überwindung ins kalte Wasser zu gehen aber das Schwimmen zählt hier auch als Dusche oder wie wir es nannten „zur harten Realität des wilden Campings“ 😉

Unsere Lagerplätze waren atemberaubend schön und es ist für mich schwierig, einen einzelnen Favoriten zu wählen, da jeder Standort einzigartig war. Die meisten Plätze waren in alten Wikinger-Ruinen und in grasbewachsenen und geschützten Gebieten. Die wenigen Standorte näher an den Gletschern waren felsig und der Boden hart. Trotzdem waren die Lagerplätze in der Nähe der Gletscher erstaunlich: An einem dieser Orte dachten wir, dass es ein Gewitter gab, so aktiv war der Gletscher, der auch die schönsten Schattierungen blauen Eises hatte, die wir auf dieser Tour sahen! Wenn die Flut geeignet war, sammelten wir Miesmuscheln am Strand und kochten sie zum Mittag- oder Abendessen. Andere Teammitglieder sammelten Heidelbeeren aus denen unser Führer ein super köstliches Dessert machte! Leider ist die Chance, hier einen Fisch zu fangen sehr selten. Dafür sahen wir verhältnismäßig viele Wildtiere: Rentiere, Hasen, arktische Füchse, die erstaunlich nah an einem Lager herankamen sowie Papageientaucher, Möwen und Falken. Wir hatten auch das Glück, Robben zu entdecken, die aber sofort wieder verschwanden, da sie in Grönland immer noch gejagt werden. Und dann erspähten wir auch einen Wal, der gemächlich an uns vorbeizog. Mit seiner mächtigen Fluke winkt er uns kurz vorm Abtauchen noch einen lässigen Abschiedsgruß zu.

Von Narsaq nach Qassiarsuk wurden wir einen Tag früher gefahren, da schlechte  Windverhältnisse vorhergesagt wurden. Der Abschied von unseren neuen Freunden war dann ziemlich traurig, aber wir hatten ein so tolles Abenteuer zusammen erlebt, dass wir immer noch Kontakt haben. Ein weiterer schöner Nebeneffekt des stundenlangen Paddelns war, dass ich oft das Gefühl hatte, mein Geist wird viel ruhiger und reflektiert dadurch auch stärker die neu gemachten Erfahrungen. Neue Ideen und Motivation für die Zukunft sprudelten nur so aus mir heraus! Auf jeden Fall wurde meine Besessenheit für die nordatlantischen Länder durch diesen Trip weiter angeheizt. Ich bin ich mir sicher, dass wir wieder kommen werden, vielleicht nächstes Mal weiter nach Norden für ein Eis Trekking? Wir werden sehen…

Euer Tom

Das Team von Scout Reisen berät, plant und organsiert Eure Traumreise nach Grönland. Alle Infos zum aktuellen Reiseprogramm unter http://www.scout-reisen.de oder telefonisch: 030 – 4503 5353.